Altenstadt
Von Ralph Patscheider
Bürgermeister Wolfgang Höß ist sichtlich zufrieden. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann er jetzt ein Thema zu den Akten legen, das die Bürger in Aufruhr gebracht hat. Am nördlichen Ortsrand sollte ein 44 Meter hoher Funkmast für Behörden- und Rettungsdienstefunk aufgestellt werden – nahe an der Wohnbebauung und direkt vor einem möglichen neuen Baugebiet. Diese Sorge ist nun vom Tisch.
Gestern Nachmittag hat Altenstadts Bürgermeister vom Staatlichen Bauamt und der vom Freistaat Bayern beauftragten Firma Telent die Zusage bekommen, dass der von ihm vorgeschlagene Alternativstandort akzeptiert wird. Der neue Standort befindet sich im Staatsforst östlich der Autobahn und südöstlich von Illereichen auf dem Lämmlisberg, in der Nähe des Illereicher Wander-Parkplatzes und mindestens einen Kilometer von Wohnbebauung entfernt. Der Staatsforstbetrieb hat dem Standort bereits zugestimmt, nun muss nur noch der Altenstadter Marktrat seinen Segen geben. Höß hat das Gremium in der Sitzung am gestrigen Abend informiert.
Zurzeit wird in ganz Deutschland ein neues Funksystem für Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr aufgebaut. Altenstadt ist für Bayern als sogenannter Anker-Standort mit übergeordneter Funktion für das neue Netz ausgewählt worden. Als Standort hatten die Planer einen Platz an der Illerleite nördlich von Illereichen ausgewählt. Das stieß auf Protest. Die Bürger wollten der Gesundheit wegen die Funkstrahlen nicht direkt vor der Haustür haben. „In einem Umkreis von 500 Metern wären rund 800 Bürger, darunter auch die Schul- und Kindergartenkinder, betroffen gewesen“, so Höß gestern. Eine Bürgerinitiative gründete sich und machte Druck.
Erstaunliches entdeckt: Der Bauantrag fehlte
Druck bekam Höß aber auch von einer anderen Seite. Nachdem der Gemeinderat den Standort mehrfach abgelehnt hatte, wollte die Regierung von Schwaben als Genehmigungsbehörde das gemeindliche Einvernehmen einfach ersetzen. Damit hätte der Funkmast an der Illerleite errichtet werden können. So in Zugzwang geraten, kniete sich Höß nach eigenem Bekunden in das Thema rein – und er fand Erstaunliches: Das staatliche Bauamt hatte nie einen formellen Bauantrag für den Mast bei der Gemeinde eingereicht. Das bedeutete Zeitgewinn bis der Antrag vorlag. Höß wandte sich an Justizministerin Beate Merk und an Josef Miller. Bei einer Jagdverbandsversammlung informierte der Jäger den dort anwesenden Landwirtschaftsminister Brunner. Gleichzeitig begab sich der Bürgermeister selbst auf die Suche nach einem neuen Standort. An einem Samstagnachmittag habe er sich die Flur angeschaut und einige, seiner Meinung nach brauchbare Vorschläge unterbreiten können. Seinem persönlichen Favoriten habe nun auch das Staatliche Bauamt und die Planungsfirma Telent zugestimmt: Der 44 Meter hohe Mast kommt auf den Lämmlisberg, fast versteckt im Staatsforst.
Artikel der Illertisser Zeitung vom 16.07.2010